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Arbeitslosigkeit ein Gesicht gegeben

Der 55-jährige Ingo Hansen ist durch ein Beschäftigungspakt-Projekt
nach fast zehnjähriger Arbeitslosigkeit wieder in Beschäftigung

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Bild: Gruppenbild.
Einen Blumenstrauß als Dank für die gute Betreuung übergab Ingo Hansen
an Projektleiterin Doreen Nickel vom Jobcenter Kreis Plön.
Foto: Kuhr, SHZ 

Der 55-jährige Ingo Hansen aus Lütjenburg hat der Arbeitslosigkeit fast zehn Jahre lang ein Gesicht gegeben. Der Sohn eines Bäckermeisters lernte die Berufe des Bäckers und Gärtners. Später war er eine Zeit lang als Servicekraft selbstständig unterwegs. Doch dann kam der Abstieg: Kunden zahlten nicht, die Insolvenz folgte. Er fuhr zu schnell und der Führerschein wurde ihm abgenommen. Es folgte zehn Jahre der Gang durch ein tiefes, dunkles Tal der Tränen mit gesellschaftlicher Ausgrenzung. Doch er zog sich selbst wieder aus dem Sumpf und wurde dabei vom Jobcenter kräftig unterstützt.

Heute schöpft der lustige Ingo Hansen wieder Mut und Kraft. Ich bin ein Kämpfer und habe Spaß an der Arbeit, versichert er. In seiner Bewerbungszeit habe er die Arbeitgeber förmlich genervt. Ingo Hansen ist seit über einem Jahr bei der Firma Haus und Grund von Lars Thode in Lütjenburg angestellt und darf sogar sonnabends und sonntags arbeiten. Erst einmal für 15 Stunden die Woche. Das Jobcenter half ihm bei der Wiedererlangung des Führerscheins - der Schlüssel für die Arbeitsaufnahme. Heute möchte ich die Firmen ermuntern, über 50-jährige Bewerber aufzunehmen und meinem Arbeitgeber danken, sagte Ingo Hansen. Ja, es gehe ihm wieder richtig gut.

Dafür sorgte das Projekt „mitnmang“. Es unterstützt über 50-jährige Arbeitslose dabei, wieder in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu kommen. An mitnmang beteiligte sich auch das Jobcenter Kreis Plön in den vergangenen vier Jahren. Es flossen 4,14 Millionen Euro an Fördermitteln in den Kreis Plön, die zusammen 792 über 50-Jährige wieder in Arbeit brachten, freut sich Gerhard Kerssen, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Plön.

Doch beim Jobcenter wird in diesen Tagen Trauer getragen. Der Grund: Das so heilvolle Programm, das auch Ingo Hansen wieder prima auf die Beine half, läuft zum Ende des Jahres aus. Projekte sind zeitlich begrenzt, finanziell endlich und laufen dann irgendwann aus, lässt sich Gerhard Kerssen kein Wasser in den süßen Wein gießen. Die gesammelten Erfahrungen würden jetzt zum Teil in das Regelgeschäft im Jobcenter integriert. Jetzt, wo das Projekt greift, müssen wir es beenden, ist auch Projektleiterin Doreen Nickel traurig. Mit Gerhard Kerssen stellte sie gestern gemeinsam die Erfolge der vergangenen vier Jahr vor.

Zunächst die bekannte Plöner Sparsamkeit: während im Bundesdurchschnitt rund 6000 Euro pro über 50-Jährigem aufgebracht wurden, um ihn wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen, gab Plön lediglich 5200 Euro aus. Drei Viertel der Bewerber hatten gesundheitliche Probleme - Rücken und Knie wollten nach teilweise harter körperlicher Anstrengung nicht mehr. Oder es stellte sich Diabetes ein. Wir koordinierten mit einem Plöner Fitness-Center, um die über 50-Jährigen wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen, sagte Doreen Nickel. Es habe auch Coachings in Einzelgesprächen gegeben. Dafür sei ein Träger aus Kiel sogar zertifiziert worden.

Fitness und Coaching werden über das Ende des Projektes hinaus ins Regelgeschäft übernommen, sagte Gerhard Kerssen. Mit Schulungen wurden die über 50-Jährigen an die Elektronische Datenverarbeitung herangeführt oder in gesunder Ernährung unterrichtet. Sie fanden Arbeit als Seniorenbegleiter, im Helferbereich wie Maler und Hausmeister aber auch in Callcentern.

Was Doreen Nickel und Gerhard Kerssen an dem Projekt mit dem Namen „Perspektive 50 plus – Beschäftigungspakt in der Region“ so schätzen, das ist die Freiheit für Experimente, zum Beispiel mit Selbsthilfegruppen. Lange Arbeitslosigkeit mache die Menschen seelisch und psychisch krank. Es war die gelungene Mischung aus Regel und Experiment, lobte Gerhard Kerssen. Das Jobcenter habe sich vor allen Dingen viel Zeit für die Kunden genommen. Ganz nach dem Motto Mensch trifft Mensch.

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Bild: Foto Gerhard Kerssen.
Gerhard Kerssen: Es war eine gelungene Mischung aus Regel und Experiment
Foto: Kuhr, SHZ 

Und was ist vom Projekt übrig geblieben? Wir werden das entstandene Netzwerk pflegen und dafür sogar eine Stelle schaffen, sagte Gerhard Kerssen. Und dann habe das Jobcenter schon wieder erfolgreich an zwei Ausschreibungen teilgenommen. Dabei gehe es um 50 Möglichkeiten für Arbeit und soziale Teilhabe. Und dann sollen Selbsthilfeprogramme ausgebaut werden. Dafür sind acht Mitarbeiter des Jobcenters zu zertifizierten Coaches ausgebildet worden.

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