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Murmann erkundigt sich über Jobcenter-Nöte

Welche Rolle spielen Flüchtlinge beim Jobcenter? Welche Chancen haben Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt und wie dicht dran ist Politik eigentlich an den Betroffenen? Themen, die der Bundestagsabgeordnete Dr. Philipp Murmann (CDU) bei seiner Sommertour im Gespräch mit dem Jobcenter-Geschäftsführer besprach.

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Bild: Gruppenbild.
Gerhard Kerssen (re.) erläutert Dr. Philipp Murmann die Arbeitsmarktzahlen des Jobcenters Plön.
Foto: ahrens, SHZ 

Ich halte es für sehr wichtig, dass ein Mitglied des Bundestags einen authentischen Einblick in ein Jobcenter erhält. Herr Dr. Murmann nimmt aus erster Hand die Informationen nach Berlin mit, wo er die Nöte vorstellen kann, betonte Gerhard Kerssen, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Plön.

Kerssen gab einen Einblick in die wesentlichen Themen, die das Jobcenter zu bewältigen hat. Bei den Programmen für Langzeitarbeitslose stand für ihn fest: Was aus der Politik kommt, sind Schnellschüsse, die auf den kleinsten Teil der nicht qualifizierten Arbeitslosen zutrifft. Zudem seien etliche der Programme nichts Neues. Was fehle, sei die Erkenntnis, dass Langzeitarbeitslose eine ebenso lange Lebensbiografie hätten, die sich nicht in wenigen Monaten auflösen lasse, sondern ein langer Prozess sei. Entsprechend würden langfristige Strategien und somit langfristige, über Jahre laufende, Arbeitslosen-Programme benötigt. Es macht keinen Sinn, nicht nachhaltig zu planen, führte Kerssen aus.

Nicht die Zahlen und Ziele stünden im Jobcenter im Vordergrund, sondern die Menschen. Wir haben einen Sozialauftrag zu erfüllen, der ein Leben in Würde ermöglicht, so der Geschäftsführer weiter. Das sei bei der Einhaltung des knappen Budgets oftmals eine Gratwanderung. Daher sei Kerssen über die niedrige Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent stolz. Auch im bundesweiten Vergleich könne sich das Plöner Jobcenter, eines der kleinsten in Schleswig-Holstein, sehen lassen.

Bei den unter 25-jährigen Arbeitslosen sehe die Vermittlung besser aus. Alle die eine Ausbildung suchen, können vom Jobcenter bedient werden, klärte Kerssen auf. Die Vermittlungsquote bei den über 25-Jährigen sei schwieriger, da nur etwa ein Drittel die Voraussetzungen für eine Vermittlung erfüllen würden. Der Einsatz lohne sich aber trotzdem, da Folgekosten teurer würden, gab Kerssen zu verstehen.

Auf die Frage Murmanns, welche Rolle das Jobcenter mit Blick auf die Flüchtlinge in zwei bis drei Jahren spielen werde, sah Kerssen zwei Probleme. Um einen Anspruch auf Gelder aus dem SGB II erhalten und einen Job antreten zu können, müsse das Anerkennungsverfahren abgeschlossen sein. Außerdem sei das Erlernen der deutschen Sprache maßgeblich für einen Berufseintritt. Da die Berufsausbildungen der Flüchtlinge oftmals nicht dem deutschen Standard entsprechen, müssten die potenziellen Arbeits- und Fachkräfte nachstudieren. Einig waren sich Murmann und Kerssen, dass nach drei Monaten der Status des Bleiberechts geklärt sein müsse.

Wenn die Gesellschaft will, dass Flüchtlinge als vollwertige Arbeitskräfte etabliert werden, dann muss viel Geld in die Hand genommen werden, so Kerssen. Seine Idealvorstellung bei der Etablierung der Flüchtlinge sei neben einer schnellen Anerkennung ein sechs- bis achtmonatiger Intensiv-Sprachkursus nach der Ankunft in Deutschland. Daran anschließend könnten betriebliche Berufspraktika mit dem Erlernen der Berufssprache erfolgen. Spätestens nach eineinhalb bis zwei Jahren sollte eine berufliche Integration abgeschlossen sein. Zurzeit erhalten im Kreis Plön rund 180 anerkannte Flüchtlinge Hartz IV. Weitere etwa 500 Flüchtlinge – Ende dieses Jahres voraussichtlich 800 – sind noch ohne Status, schätzt Kerssen, die nach dem Asylbewerberleistungsgesetz Gelder von den Kommunen erhalten.

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