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Dienstleister Jobcenter

Plön. Rund ein halbes Jahr begleitete die Journalistin Kerstin Ahrens die Mitarbeiter im Jobcenter Kreis Plön bei Beratungs- und Hilfeplangesprächen. Dadurch erhielt sie einen tiefen Einblick darüber, welcher Einsatz hinter den erfolgreichen Vermittlungszahlen steht. Es ist ein breites Aufgabenspektrum, das für alle Jobcenter bundesweit steht.

Ich ärgere mich, wenn Jobcenter negativ verkauft werden, sagt Gerhard Kerssen. Wir sind Dienstleister. Die alte Beratergeneration gibt es nicht mehr, sondern kundenorientierte Beratung, bringt der Geschäftsführer vom Jobcenter Kreis Plön die aktuellen Fakten auf den Punkt.

Neben der Abteilung Leistungsgewährung des Arbeitslosengeldes II, allgemein als Hartz IV bekannt, gehört die Arbeitsvermittlung und die Betreuung für die Arbeitslosen und deren Angehörigen zu den maßgeblichen Aufgaben. Die Arbeitsvermittler und Fallmanager sind die persönlichen Ansprechpartner der Jobcenter-Kunden und kümmern sich, aufgeteilt in Personengruppen, um die unter 25-Jährigen, über 25-Jährige sowie um die 50-Jährigen und älteren. Die Klientel ist breit gefächert - vom Studenten bis zu Menschen, die noch nie gearbeitet haben.

Foto mit Begleittext

 
Bild: Fallmanager im Gespräch.
Fallmanager gehen in Gesprächen auf Wünsche der Kunden ein.
Foto: Kerstin Ahrens, KN
 

Darüber hinaus besagt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und der Universität Halle-Wittenberg aus dem Oktober 2013, dass ein Drittel der Hartz IV Empfänger besonders häufig von psychischen Erkrankungen wie Antriebslosigkeit, Panikzustände und Ängste betroffen sind.

Um die Arbeitslosen wieder in einen Beruf zu vermitteln, setzt Kerssen seit Jahren auf eine gute Qualifizierung seiner Mitarbeiter. Vor allem bei den Fallmanagern sind ein komplexes Know How und sehr viel Feingefühl erforderlich. Sie sind eine Mischungen zwischen Integrierer und Sozialarbeiter, erläutert der Geschäftsführer.

Um ihre Kunden noch umfassender betreuen zu können, ließen sich rund 18 Prozent von insgesamt 43 Fallmanagern des Jobcenters an vier Standorten zum Care- und Casemanager der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) qualifizieren. Denn die Aufgaben der Fallmanager sind wesentlich umfangreicher. Fallmanager und Care- und Casemanager wie Ulrich Diederichs nehmen ihre Kunden an die Hand. Sie besuchen sie Zuhause, geben Hilfestellungen bei Schulden, arbeiten eng mit den Sozialämtern und den Behörden des Kreises zusammen und sorgen beispielsweise für Familienbegleitungen und Arztbesuche.

Zu Diederichs Kunden zählen auch Menschen mit Migrationshintergrund, Drogen- und Alkoholabhängigkeit, mit multiplen Lernproblemen sowie psychischen und sozialen Problemen. Sie sind nicht sofort in einen Job vermittelbar, und die Vermittlung erfordert einen erhöhten Beratungsaufwand. Dabei gehören beispielsweise Hilfeplangesprächen, bei denen die Fallmanager alle dazu benötigten Ämter-Vertreter mit den jeweiligen Kunden an einen Tisch bitten, zum weiteren Aufgabenbereich. Der kurze Draht ist uns wichtig, betont Thomas Piepgras von der Eingliederungshilfe des Kreises Plön.

Ein Beispiel hierzu: Eine Mutter zweier Kinder und ausgebildete Altenpflegerin ist seit einigen Jahren drogenabhängig. Ihr drohte der Entzug ihrer Kinder. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und begleitenden Behörden wurde sie im Methadon-Programm aufgenommen. Zudem arbeitet die 40-jährige des gemeinsamen Wiedereingliederungsprojekt Land in Sicht des Kreises Plön und des Jobcenters, um einen geregelten Tagesablauf und in der projekteigenen Gärtnerei, Textilgestaltung und Tischlerwerkstatt Fertigkeiten für den Arbeitsmarkt zu erlernen.

Ihre vorrangigen Ziele: Die Methadon-Dosierung weiter zu senken, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und damit die beruflichen Fähigkeiten erweitern zu können. Ihr Fernziel ist und bleibt weiterhin der erste Arbeitsmarkt. Das ist ein positiver Entwicklungsschub, sind sich Piepgras und Diederichs einig. Auch bei der einer Schuldnerberatung und den auftretenden Schwierigkeiten mit dem drogenabhängen Ehemann stehen die Behörden der Hartz-IV-Empfängerin zur Seite.

Für die Gruppe der unter 25-jährigen Arbeitslosen ist der Fachkräftemangel, beispielsweise in der Pflegebranche, Gastronomie und dem Einzelhandel, eine große Chance. Doch Auszubildener ist nicht gleich Auszubildener. Bei jungen Menschen aus schwierigen Familienverhältnissen oder mit multiplen Lernhemmnissen steht das Jobcenter mit seinem großen Netzwerk zu Seite. Enge Kooperationen bestehen mit dem sozialen Dienst (Jugendamt), psychiatrischen Diensten, Sucht,- Schuldner,- Beziehungs- und Lebensberatern sowie mit Streetworkern. Kurzum: Für jeden Lebensbereich gibt es eine Vielzahl an Hilfemaßnahmen und Einsteigerprojekte, um sich beruflich etablieren zu können. Um voran zu kommen, ist eines maßgeblich: Wer wirklich arbeiten möchte, dem ermöglicht das Jobcenter nahezu alles, betont der U-25-Fallmanager Christopher Rieger.

Ich wünsche mir eine Politik, die die Schwachen mitnimmt, sagt Ulrich Diederichs. Die Politik müsste verstehen, dass es Menschen mit geringem Bildungsstand gibt. Für sie müsste ein dritter Arbeitsmarkt installiert werden, so dass sie in einem beschützten Betrieb unter realen Bedingungen arbeiten könnten - eine Arbeit mit Begleitung.

Tagtäglich erleben die Arbeitsvermittler und Fallmanager menschliche Schicksale wie das eines jungen Ehepaars, dessen Kind vom Großvater sexuell missbraucht wurde. Es kommt auch vor, dass dieser Mann vom selben Arbeitsvermittler betreut wird. Das müssen wir beruflich trennen, weiß Arbeitsvermittlerin Anja Wedemeyer aus Erfahrung. Um die menschlichen Schicksale nicht mit nach Hause zu nehmen, setzt Gerhard Kerssen auf Super-Visionen seiner Mitarbeiter.

Parallel zum Alltagsgeschäft gilt es alle Kundenkontakte zu dokumentieren, Stellungnahmen zu schreiben, Anträge zu bearbeiten und Abstimmungen mit begleitenden Behörden zu treffen. Und wenn die Türen des Jobcenters für die Öffentlichkeit geschlossen sind, nehmen die Arbeitsvermittler und Fallmanager Kontakt zu Unternehmen auf. Im Rahmen des Arbeitsgeber-Service besuchen sie Betriebe und beraten über Fördermaßnahmen bei der Einstellung von Langzeitarbeitlosen.

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