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Jobcenter-Chef für Radikalreform

Gerhard Kerssen hat ein Diskussions­papier erarbeitet, wonach die Außenstellen im Kreis Plön aus Kosten­gründen weg­fallen

Das Jobcenter Kreis Plön ist das kleinste in Schleswig-Holstein, sechs Prozent Arbeits­losen­quote gehört zu den niedrigsten bundesweit. Doch weiter­hin sinkende Finanz-­Zuwendungen vom Bund und steigende Verwaltungs­kosten der insgesamt vier Stand­orte im Kreis werden in den kommenden Jahren die Mittel für arbeitsfördernde Maßnahmen deutlich reduzieren, warnt Geschäfts­führer Gerhard Kerssen.

Damit weiterhin genug Geld für Eingliederungs­maßnahmen von Lang­zeit­arbeitslosen da ist, erarbeitete Kerssen ein Diskussions­papier zur Neu­ausrichtung seiner Behörde. Sein Vor­schlag: Eine Zentrali­sierung in Plön und damit die Schließung der Außen­stellen. Auch der Kreis, der das Thema in diesem Monat sowohl im Sozial- als auch Haupt­ausschuss auf der Tages­ordnung hat, würde davon profitieren, sagt Kerssen.

Foto mit Begleittext

 
Bild von links: Bianca Hartz und Gerhard Kerssen
Jobcenter-­Neuausrichtung: Bianca Hartz (links) und Gerhard Kerssen plädieren
für eine Zentralisierung vom Jobcenter Kreis Plön.
Foto: Ahrens, OHZ 

Wir werden bei Eingliederungs­maßnahmen Arbeits­loser und Hilfe­bedürftiger immer handlungs­unfähiger, begründete Kerssen sein Konzept. Hätten 2005 die Verwaltungs­kosten noch bei 36 Prozent gelegen, so seien sie 2012 auf 63 Prozent gestiegen. Für 2013 lägen die Schätzungen bei 67 Prozent. Für die eigentliche Kern­aufgabe, Langzeit­arbeitslose zu fördern und zu qualifizieren, stehe immer weniger Geld zur Verfügung.

Für 2014 hat sich die Situation nochmals ver­schärft. Dann werden wir rund 70 000 Euro weniger für Eingliederungshilfe und 60 000 Euro weniger für die Verwaltung zur Verfügung haben, gab Kerssen im Gespräch mit dem OHA einen Ausblick.

Außerdem werde das Job­center mit Kosten­steigerungen be­lastet. So schlage eine Erhöhung der IT-­Pauschale mit knapp 60 000 Euro zu Buche. Und eine bevor­stehende Lohnerhöhung, die Kerssen vorsichtig mit zwei Prozent be­ziffert, würde das Verwaltungsbudget mit rund 120 000 Euro belasten.

Bei einer Schließung der Stand­orte Preetz, Lütjen­burg und Heikendorf würde die jährliche Ein­sparung für Mieten und Nebenkosten 639 000 Euro be­tragen. Davon entfielen auf Preetz 301 000 Euro, auf Heikendorf 204 000 Euro und auf Lütjenburg 134 000 Euro. Bei einer Zentrali­sierung nach Plön würden außerdem Dienst­leistungs­kosten für das Miet­vertrags­management der Liegen­schaften sowie Personal­betreuung wegfallen.

Den für die Sitzung des Ausschusses für Gleich­stellung, Gesundheit und Soziales am 23. Oktober vor­geschlagenen Beschluss der Kreisverwaltung, nur den Preetzer Standort zu schließen, kommentiert Gerhard Kerssen so: Wenn nur Preetz geschlossen wird, reicht das ein­gesparte Geld für zwei Jahre.

Auch der Kreis würde von der Zentra­lisierung profi­tieren. Er ist mit 15,2 Prozent - den Rest zahlt der Bund - Finanzierungs­anteil an den Verwaltungs­kosten des Job­centers beteiligt. Bei einer Kosten­reduzierung würde der Kreis bei der Aufgabe des Standortes Preetz rund 45 700 Euro jährlich einsparen, bei der Schließung aller drei Standorte wären es knapp 100 000 Euro.

Personell würde sich nichts ändern, versichert Kerssen. Sein Ziel sei eine stärkere Mitarbeiter-­Qualifizierung, damit diese ihre Kunden noch effek­tiver beraten können. Um Kosten zu sparen, sollten Schulungen vor Ort erfolgen. Denn letztendlich gehe es um eine zukunfts­fähige Aufstellung, damit die Jobcenter-­Mitarbeiter vernünftig arbeiten können, betonte der Geschäftsführer. Ich befürworte die Zentralisierung und wünsche mir eine verlässliche Ent­scheidung, um zukunfts­fähig auf­gestellt zu sein, steht die Personalrats­vorsitzende Bianca Hartz hinter den Vor­schlägen Kerssens. Mehr noch: Die Mitarbeiter könnten ihre Aufgaben an einem Ort besser erledigen.

Für die Jobcenter-Kunden würde die Auf­gabe einer oder mehrerer Geschäfts­stellen ein längerer An­fahrts­weg nach Plön, das mit öffentlichen Verkehrs­mitteln aus allen Regionen im Kreis gut erreichbar sei, bedeuten. Fahrkosten würden bei Terminen im Job­center ohnehin erstattet. Außerdem sei mit der Zentrali­sierung gewährleistet, dass die Jobcenter-Kunden dauerhaft einen Ansprechpartner hätten. Das sei in Lütjenburg und Heikendorf aufgrund des Personal­schlüssels nicht machbar.

Eine Zentralisierung sei machbar, das zeige die Kunden­gruppe 50 plus und der unter 25-jährigen, die seit zwei Jahren in Plön und Preetz betreut würden. Auch die Anlauf­stelle für Arbeits­losengeld I des Kreises sei nur in Plön.

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