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Bildungskarte statt Gutschein

Die Jobcenter im Kreis Plön und in Neumünster führten als erste in Deutschland ein papierloses Verfahren für Hartz-IV-Leistungen ein

Nachhilfe, Mittagessen in der Krippe, Mitgliedsbeiträge in Vereinen oder auch Kosten für die Klassenfahrt: Im Kreis Plön und in Neumünster müssen Kinder und Jugendliche aus Hartz-IV-Familien dafür keine Gutscheine mehr einlösen. Stattdessen bekommen sie eine Scheckkarte.

Mit der ist die Möglichkeit verbunden, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket über eine Internetplattform auszusuchen und zu bezahlen. Im Kreis Plön und in Neumünster sind jeweils etwa 5000 Kinder und Jugendliche betroffen.

Die Jobcenter im Kreis Plön und in Neumünster nehmen für sich in Anspruch, die ersten in Deutschland zu sein, die sogenannte Bildungsgutscheine durch ein papierloses Verfahren ersetzen. Der Verzicht auf die von Jobcentern oder kommunalen Sozialämtern ausgestellten Gutscheine soll die betroffenen Kinder vor Stigmatisierung schützen, erläuterte gestern Gerhard Kerssen, Chef des Plöner Job-Centers, in einer Pressekonferenz.

Herz des neuen Verfahrens, das mit der Dienstleister-Firma Sodexo umgesetzt wird, ist eine Internetseite, auf der alle sogenannten Leistungsanbieter vertreten sind. In Neumünster sind es nach Aussage von Thorsten Hippe, Vizechef des Jobcenters in der Stadt, bislang gut 200, im Kreis Plön 280.

Foto mit Begleittext

 
Bild mit Herrn Kerssen, Herrn Vlasceanu und Herrn Hippe, die zwei Bildungskarten zeigen
Überdimensionale Bildungskarten hatte Razvan Vlasceanu (Mitte)
von der Firma Sodexo für Gerhard Kerssen (links) und Thorsten Hippe mitgebracht.
Foto: Krauskopf, SHZ
 

Über die Internetseite sollen die Kinder Angebote aussuchen und nach Bewilligung durch Jobcenter oder Sozialamt virtuell auch bezahlen. Die echte Entlohnung der Leistungsanbieter solle später ebenfalls auf der Basis dieser Daten erfolgen, dabei entfalle das bislang übliche Rechnungschreiben.

"Verringerung des bürokratischen Aufwands für alle Beteiligten auf ein Minimum" nennt Kerssen den angestrebten Effekt dieses papierlosen Verfahrens. Die Zusammenarbeit mit Neumünster vereinfache darüber hinaus "grenzüberschreitende" Vorgänge, wenn zum Beispiel ein Kind aus Neumünster in einem Verein im Kreis Plön Fußball spielt.

In Neumünster wird es mit der Einführung der Bildungskarte auch einen neuen Modus in der Zusammenarbeit zwischen Jobcenter und Stadt geben, die beide für unterschiedliche Personengruppen das Bildungs- und Teilhabepaket umsetzen müssen: Für alle Betroffenen soll es nur noch eine Anlaufstelle geben. Im Kreis Plön müssen die Gemeinden, Städte und Ämter, bei denen 2500 Hartz-IV-Kinder betreut werden, noch entscheiden, ob sie sich dem Bildungskarten-Verfahren anschließen wollen. Das Jobcenter Kreis Plön will das Verfahren auf jeden Fall am 1. Dezember starten, Neumünster einen Monat später.

Während mit etwa 5000 die Zahl der Kinder und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien in Neumünster und im Kreis Plön gleich groß ist, gibt es bei der Zahl der Kinder, die Bildungs- und Teilhabeleistungen in Anspruch nehmen, große Unterschiede. In Neumünster seien es etwa 3000 Kinder, sagte Hippe. Im Kreis Plön seien es nur rund 1000 Kinder. In der geringeren Teilnahme spiegelten sich ländliche Strukturen, erläuterte Kerssen. Allein schon die Beschränkungen des Busangebotes führten dazu, dass Kinder auf den Dörfern nicht so viele Angebote wahrnehmen könnten wie in einer Stadt.

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