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Der Dreh mit den Arbeitslosen

Plön - Es hat ein bisschen was von einer Casting-Show. Nur geht es hier nicht um Sieg oder Niederlage, sondern für Carolyn Dreesen aus Raisdorf, Oliver Sager aus Wankendorf und 50 weitere Leidensgefährten um den zukünftigen Job oder weitergehende Arbeitslosigkeit.

Die von der Agentur für Arbeit und Kreis Plön betriebene Arbeitsgemeinschaft (Arge) zahlt Hartz-IV-Empfängern nicht nur die ihnen zustehenden Leistungen aus, sondern kümmert sich intensiv um deren Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Das "digitale Profil" ist die neueste Waffe im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit: Die Job-Suchenden setzen zusätzlich zur obligatorischen Bewerbungsmappe auf den Videoclip, um zukünftigen Arbeitgebern frei nach dem Motto "es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck" einen lebendigen Eindruck ihres vielleicht zukünftigen Mitarbeiters zu vermitteln.Carolyn Dreesen verspricht sich einiges von dieser Art von Bewerbung: Aus eigener Erfahrung als Chefsekretärin in mehreren Betrieben weiß sie, dass Personalchefs unzählige Bewerbungsgespräche als lästig empfinden und nach 20 mehr oder weniger langen Vorstellungsgesprächen schlicht und einfach keine Lust mehr haben, weitere Bewerber kennen zu lernen. Oliver Sager ist von seiner aktuellen Bewerbung ebenfalls begeistert, obwohl er doch recht "skeptisch zu den Dreharbeiten" angereist war.

Foto mit Begleittext

 
Bild einer Aufnahme eines digitalen Profils
Von Kameramann Severino Lopez ins rechte Licht gerückt:
Carolyn Dreesen aus Raisdorf bewirbt sich
mit einem digitalen Profil um einen Arbeitsplatz.
Foto: Thoms
 

Über die Internetseite www.erfahrung-in-arbeit-ploen.de können Chefs auf der Suche nach einem Mitarbeiter einen Blick auf mögliche Bewerber werfen. Kostenlos, unverbindlich, ohne große Erwartungen zu wecken und ohne vorherige Terminvereinbarung.

Eine Chance, die man aufgrund des hohen Aufwandes jedoch nicht jedem Arbeitssuchenden angedeihen lassen kann, wie Arge-Geschäftsführer Gerhard Kerssen und Teamleiterin Regina Blöcker betonen: Gute Chancen auf einen Videoclip und damit beste Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz hätten nur diejenigen, die man aufgrund ihrer Motivation und ihres Engagements guten Gewissens empfehlen könne. Allen am Projekt Beteiligten ist klar: Zwei, drei Mal schlechte und sich schnell herumsprechende Erfahrungen mit den neu Eingestellten - und die innovative Idee könnte sich erledigt haben.

Nicht nur deshalb die strengen Auswahlkriterien: Es ist natürlich auch nicht ganz preiswert, digitale Profile zu erarbeiten. Produzent und Regisseur Ulrich Leinweber von der Firma MNB (Neue Medien in der Bildung) reist mit Equipment und Mitarbeiterinnen (neben einer Maskenbildnerin gehört Politologin Annette Rabe dazu) aus Kassel an. Nur der Kameramann kommt aus der Gegend - Severino Lopez aus Hohwacht. Der Plöner Landrat Volkram Gebel, der als erster laut über die Möglichkeiten eines digitalen Profils nachgedacht und Arge-Geschäftsführer Kerssen schließlich von seiner Idee überzeugt hatte, weiß aber: "Wenige Vermittlungen (und damit Leistungsempfänger weniger) dürften ausreichen, um die Kosten für das landesweit einmalige Pilotprojekt wieder hereinzubekommen".

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