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Arbeitslose bewerben sich per Video

Arbeitslose im Kreis Plön können sich potenziellen Arbeitgebern jetzt per Video vorstellen - ein Modellprojekt der Plöner Arge. Damit ist sie landesweit Vorreiter.

Ziel der Aktion "Erfahrung in Arbeit" ist es, für die Kunden der Arge den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen. Arbeitssuchende Kunden haben die Betreuung durch die Bundesagentur für Arbeit bereits hinter sich und den Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit mit allen Problemen vor sich. Bei Bewerbungen, so sagte Arge-Geschäftsführer Gerhard Kerssen bei der Vorstellung, hätten die Personalentscheider einen Berg von Unterlagen vor sich und müssten aus vielen Bewerbungen nach eigenen Kriterien diejenigen ausfiltern, die zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen würden. Dabei zeige die Erfahrung leider, dass Langzeitarbeitslose oft keine Chance hätten - ganz gleich, welche Qualifikationen sie hätten.

Das Projekt sei in Trägerkooperation mit der Beschäftigungsagentur Neuland, dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises sowie der Firma Pro Cell verwirklicht worden. Dabei würden die inhaltlichen Schwerpunkte und Erfahrungen der Träger genutzt. Kooperationspartner ist der Kreis Plön. Er gibt Menschen mit gesundheitlichen Problemen bei "Land in Sicht" in die Betreuung.

Foto mit Begleittext

 
Foto von der Veranstaltung
Bewerber mit Erfahrung:
Carolyn Dreesen (Sekretärin) und Oliver Sager (kaufmännischer Bereich).
Beide erhoffen sich von der Teilnahme am Projekt endlich einen Arbeitsplatz.
Foto: Hesse
 

Gerhard Kerssen bezeichnete das Projekt noch als "Experiment", das zunächst auf zwei Jahre ausgelegt ist. Doch im Hinblick auf den demografischen Wandel würden immer mehr Arbeitskräfte gefordert. Und darauf bereiteten die Träger die Langzeitarbeitslosen in Tweelhörsten vor. Dabei werde herausgefunden, in welchen Bereichen Menschen Interessen und Fähigkeiten haben. Bei Bedarf könnten weiterführende Fortbildungen angeschlossen werden. Jörg Fürstenau, Leiter des Amtes für Soziales im Kreis Plön, sieht für seine Teilnehmer im Rahmen einer ganzheitlichen pädagogischen Betreuung erste Schritte in Richtung weiterführende Qualifizierungen. Dazu gehörte auch die individuelle Förderung neu entdeckter Fähigkeiten und die Entwicklung realistischer Zukunftsperspektiven.

Diese Klippe soll mit den digitalen Profilen der Arbeitssuchenden umschifft werden, in denen der zukünftige Arbeitgeber schnell und präzise einen ersten Eindruck über die Kandidaten bekommt. Ebba Bongartz aus Diepholz, Produzentin der digitalen Profile, schilderte das Entstehen der Videoclips. Nach einem Vorgespräch beantworten die Kandidaten jeweils in einer kurzen Videosequenz fünf Fragen zu dem, was sie sind, welche Ausbildung sie haben, welche Berufserfahrung sie haben, was sie von ihrer zukünftigen Arbeit erwarten und wie sie sich selber einschätzen. Die Kandidaten werden natürlich auch beraten, wie sie sich und ihre Stärken am geschicktesten darstellen. "So ein bis zwei Stunden dauert das schon", sagte Ebba Bongartz.

Da es sich jeweils bei den Antworten um einzelne Clips handelt, lassen sie sich auch gut vergleichen. Im Regelfall können die Kandidaten dann mittels einer Kennziffer über einen Ansprechpartner bei der Arge kontaktiert werden. Die Kandidaten bleiben normalerweise namentlich ungenannt.

Aus der großen Zahl von länger als ein Jahr arbeitslosen Kunden filterte die Arge diejenigen heraus, für die der "Integrationsaufwand klein" ist. Etwa 850 Personen wurden angeschrieben, danach etwa 120 herausgefiltert und schließlich die erste Tranche der 55 Videoclips produziert und ins Netz gestellt.

Ganz wichtig sei bei dem Projekt, dass die Kriterien zur Auswahl der Kandidaten hart seien, denn wenn ein Arbeitgeber zu oft "reinfalle", sei dieses Projekt für ihn schnell erledigt, wie sich alle einig waren. Der beschrittene Weg sei richtig, bestätigte Claus-Henrick Estorff für die Arbeitgeberseite. Bei Personalentscheidungen käme es eben sehr oft auch auf den ersten Eindruck an.

Verfasser: Karl Hesse

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