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"Wenn man in der Lage ist, gute Arbeit zu leisten, bekommt man den Job"

Preetz. Fast könnte man meinen, sein Weg nach England sei vorgezeichnet gewesen: Sigmar Heuwel fuhr schon mal mit der "Prince Hamlet" von Hamburg nach Grossbritannien, jetzt zieht es ihn beruflich ins Königreich. Und das kam so: Eigentlich hatte ich beruflich keine Perspektive mehr, erzaehlt Sigmar Heuwel. Ich bin jetzt 47, seit zweieinhalb Jahren arbeitslos und mittlerweile Hartz-IV-Empfänger. Aber dann entdeckte Heuwel eine Anzeige vom Arbeitsamt: Die suchten Menschen, die sich zur Pflegekraft ausbilden lassen, und bereit sind, anschliessend nach England auszuwandern. Dort nämlich gibt es einen drastischen Mangel an Pflegekräften. Das klang nach einer echten Chance. Ich bin sofort zum Arbeitsamt gegangen und habe mich gemeldet. Und zwar auch, weil Sigmar Heuwel schon im Rahmen einer anderen beruflichen Tätigkeit festgestellt hatte, dass er einen guten Draht zu älteren Menschen hat: Er arbeitete mal als Fensterputzer in einem Altenheim. Nach seiner Teilnahme an der Schulungsmassnahme von AWO und "arge. Kreis Plön" ist er nun zertifizierte Pflegekraft und kann in England ins Praktikum gehen. Nach der dreimonatigen Praktikumsphase wird er dann - sehr wahrscheinlich - von seinem neuen Arbeitgeber einen festen Vertrag bekommen. Es ist erstaunlich, sagt Heuwel. Ich habe mich neulich im Internet in England auf einem Stellenportal mit Lebenslauf vorgestellt und bekam sofort fünf Angebote.

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Bild Sigmar Heuwel mit Tochter Sophia
Sigmar Heuwel mit Tochter Sophia.
 

Das bin ich aus Deutschland gar nicht gewohnt. Hier heisste es ja immer sofort: Zu alt! In England aber sei das anders: Dinge wie Alter, Geschlecht und Hautfarbe interessieren da nicht - Wenn man in der Lage ist, gute Arbeit zu leisten, bekommt man den Job! Das ist Sigmar Heuwel offenbar: Gerade im Beruf des Altenpflegers darf man keine Berührungsängste haben. Sicherlich ist es ungewohnt, zum Beispiel jemanden einzucremen oder Verbände zu wechseln und anderes, aber das gehört einfach dazu. Ich habe schon im Praktikum versucht, möglichst viel von Anfang an zu machen, damit ich an Erfahrung gewinne. In punkto Arbeitsbedingungen sieht Heuwel Grossbritannien klar im Vorteil: Dort wird mehr Personal auf den Stationen eingesetzt. Darum kann man den Einzelnen besser versorgen. Ausserdem wird in Zwölf-Stunden-Schichten gearbeitet. Auch das ist für den Betreuten angenehmer, weil er sich dann nicht permanent auf jemand Anderen einstellen muss. Und: Als Faustregel gilt: So, wie ich selber im Alter behandelt werden möchte, so muss ich als Pfleger auch die Menschen behandeln. Auch Frau Kathrin und Tochter Sophia freuen sich schon auf den England-Umzug: Dann wird Sophia dort direkt eingeschult, mit fünf Jahren, also früher als hier. Das ist auch gut so, denn im Kindergarten langweilt sie sich fast schon, erzählt Sigmar Heuwel. Schon bald wird er nach England aufbrechen und seine Praktikumsstelle antreten. Sofern Sigmar Heuwel übernommen wird, wird er nach drei Monaten nach Preetz zurückkommen, um die Wohnung aufzulösen. Und dann geht ein Container mit Heuwelschem Hausrat auf die Reise nach England, genau, wie man es aus den einschlägigen Auswanderersendungen im Fernsehen kennt.

Für Tochter Sophia ist die "Aktion Auswanderung" zwar gedanklich noch ganz weit weg, dennoch aber freut sich die Vierjährige schon, und wichtige Begriffe wie Ice Cream beherrscht sie bereits jetzt. Sie wollte sowieso immer ins Ausland. Aber natürlich in ein Land mit einer Königin - Und da blieb ja nicht viel, sagt Heuwel schmunzelnd. Und weil seine Tochter so ein grosser Fan der britischen Königin ist, hat er ihr ein Bild von "Her Majesty Queen Elizabeth II" ausgedruckt und ins Zimmer gehängt. Na dann kann's ja losgehen..

Verfasser: sg

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