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Mehr als 8.500 Menschen finanziell unterstützt

Plön. Es war gewiss keine leichte Aufgabe, die die Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Sozialgesetzbuch (SGB) II im Kreis Plön, kurz arge, vor zwölf Monaten zu meistern hatten: Unter recht provisorischen Bedingungen, zunächst sogar ohne Festnetzanschluss und ohne EDV-Anlage, bemühten sie sich seit Anfang Januar 2005, den Leistungsbeziehern in den neu eröffneten Job-Centern und Zweigstellen in Preetz, Plön, Lütjenburg, Heikendorf, Schönberg und Wankendorf Rede und Antwort zu stehen. Die Arbeitsgemeinschaften haben ihre Arbeit unter ganz schwierigen Voraussetzungen und sehr kurzfristig aufgenommen. Unter diesem Blickwinkel muss man das abgelaufene Jahr sehen, betonte Jens Mathias, Mitglied der Geschäftsführung der Kieler Arbeitsagentur und Vorsitzender der Trägerversammlung der arge Kreis Plön, im Hinblick auf die Umsetzung der Arbeitsmarktreform Hartz IV.

Trotz dieser Rahmenbedingungen haben wir das erste Jahr gut gemeistert und erfolgreiche Arbeit geleistet, lautete das Fazit des Geschäftsführers der arge, Gerhard Kerssen, dessen Einschätzung sich auch Landrat Dr. Volkram Gebel, zugleich stellvertretender Vorsitzender der Trägerversammlung, anschloss: Dieses ist vor allem der hohen Einsatz- und Leistungsbereitschaft aller Mitarbeiter der arge zu verdanken. Messbar ist der Erfolg der arge allerdings nur begrenzt: Erst Anfang 2007 wird, auf Grundlage der Bilanzen aus den Jahren 2005 und 2006, eine Vergleichsmöglichkeit gegeben sein, die zeigt, wie effektiv die arge wirklich arbeitet. Die jetzt vorliegenden Zahlen der arge mit dem Jahr 2004, als drei Arbeitsagenturen für den betreffenden Personenkreis zuständig war, zu vergleichen, sei schlichtweg nicht möglich, erklärte Gerhard Kerssen am vergangenen Mittwoch. Durchschnittlich 8.581 Menschen, darunter 6.110 erwerbsfähige Hilfebedürftige, erhielten im vergangenen Jahr finanzielle Leistungen von der arge. Die Klientel, die von der arge betreut werde, sei sehr heterogen, unterstrich Kerssen: Der Personenkreis wird immer größer und umfasst zum Beispiel auch Selbständige, deren Einkommen unterhalb der Grundsicherung liegt.

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Bild (Von links) Dr. Volkram Gebel, Jens Mathias, Gerhard Kerssen
(Von links) Dr. Volkram Gebel, Jens Mathias, Gerhard Kerssen
 

Durch die Einführung von Hartz IV sei das Problem der Arbeitslosigkeit insgesamt transparenter geworden, etwa dadurch, dass auch diejenigen in der Statistik auftauchten, die nie gearbeitet hätten. Doch zurück zur Bilanz: Immerhin 1.643 Menschen aus dem Zuständigkeitsbereich der arge konnten ihre Arbeitslosigkeit teils dauerhaft, teils aber auch nur vorübergehend durch die Aufnahme eine Erwerbstätigkeit beenden. Weitere 526 Personen nahmen eine Ausbildung auf. 875 der oben genannten 1.643 in den Arbeitsmarkt integrierten Personen wurden direkt von der arge vermittelt, 617 fanden durch eigene Initiative, allerdings oft flankiert durch Leistungen der arge, eine neue Beschäftigung. Obwohl die Verantwortlichen das erste Jahr der arge positiv beurteilen - ein Wermutstropfen bleibt: Der arge standen von Beginn an weniger Mittel zur Verfügung, als tatsächlich nötig gewesen wären.

Auf Grundlage der so genannten Anzinger-Zahlen wurde ermittelt, dass die arge Plön 3.302 Bedarfsgemeinschaften zu betreuen hätte. Tatsächlich waren es zum Jahresende 4.853. Ähnliche Differenzen ergaben sich parallel dazu in der Zahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen, die Ende Dezember 2005 bei 6.586 (prognostiziert waren ursprünglich 3.946) lag. Landrat Dr. Volkram Gebel kritisierte, dass von völlig falschen Zahlen ausgegangenen worden sei und forderte von der Politik nachdrücklich, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Andernfalls sei der vorgeschriebene Personalschlüssel (ein arge-Mitarbeiter betreut 125 Erwachsene beziehungsweise 75 Jugendliche) nicht einzuhalten oder die Eingliederungsbetreuung nicht in vollem Umfang zu leisten. Ich kann mich mit den hohen Arbeitslosenzahlen nicht abfinden, sagte Dr. Gebel und beklagte, dass es in den zwölf Jahren, in denen er jetzt Landrat im Kreis Plön sei, nie einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen gegeben hätte. Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen. Die hohe Arbeitslosigkeit führt zu einer Verarmung der Region.

Ein trauriger Rekord sei in Lütjenburg mit einer Arbeitslosenquote von 25 Prozent erreicht. Sowohl Gerhard Kerssen als auch Jens Mathias zeigten sich überzeugt, dass mit dem SGB II jetzt ein Instrumentarium zur Verfügung stünde, das neue Perspektiven und Chancen für hilfebedürftige Menschen eröffne. Für 2006 hat sich die arge ganz konkrete Ziele gesteckt - zum Beispiel, jedem jugendlichen Schulabgänger, der sich kooperativ zeigt, ein Ausbildungs- oder Arbeitsangebot (auch in Form einer Teilqualifizierung oder beruflichen Vorbereitung) zu unterbreiten. Durch die Einrichtung eines Außendienstes soll dem Leistungsmissbrauch konsequent ein Riegel vorgeschoben werden.

Verfasser: ct

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